Wie Amazon seine Händler ausbootet und Abmahnungen aussetzt – heute: die Abschaffung der 40-Euro-Klausel für Händler durch die “Amazon-Rückgabebedingungen” für alle

Alexander Schupp

Wer Amazon und dessen Aufstieg zum umsatzstärksten Online-Händler Deutschlands (einen interessanten Bericht darüber finden Sie hier) in den letzten Jahren ein wenig verfolgt hat, weiß längst, worauf dieser Erfolg zurückzuführen ist:

Die konsequente Ausnutzung seiner “Marketplace”-Händler und deren Geschäftsideen.

Denn Amazon ist nicht etwa interessiert am “Wohlergehen” seiner Händler, sondern vor allem daran, deren Erfolg zum eigenen zu machen. Und damit sind mitnichten nur die vergleichbar hohen Verkaufsprovisionen gemeint. Diese nimmt der Händler gerne in Kauf, wenn er auf einer “seriösen” Plattform auch gute Preise erzielen kann.

Damit ist vielmehr das folgende Konzept gemeint – nach meiner Ansicht ebenso genial wie perfide:

1. Man lasse Händler auf der eigenen Plattform jegliche Ware anbieten und ermittle danach, welche Ware sich am besten verkauft. Diese biete man sodann selbst zum unschlagbaren Preis selbst an, die anderen Anbieter (ja, auch diejenigen, die das Produkt überhaupt erst auf den “Marketplace” gebracht haben) verbanne man auf Seite zwei.

So erspart sich Amazon nicht nur jegliche kostspielige Marktanalysen, es verdient im Gegenteil sogar daran. Fehlschläge sind kaum möglich, schließlich weiß man, dass sich die Produkte in der Vergangenheit blendend über Amazon verkauft haben.

2. Man verpflichte alle Händler, Zahlungen ausschließlich über Amazon abwickeln zu lassen. So hat man immer genügend liquide Mittel, um all die Produkte kaufen zu können, die sich bei anderen Händlern so blendend in der Vergangenheit verkauft haben (jedenfalls bis Amazon diese selbst anbietet).

Um es prägnant auszudrücken:

Der Händler gibt Amazon Geld dafür, dass er bei seinem Erfolg auf der Plattform von Amazon wieder von diesem Markt verdrängt wird.

Nun könnte man meinen, damit seien Amazon-Händler bereits genug gebeutelt.

Aber auch hier zeigt Amazon, dass es spielend in der Lage ist, immer noch einen “drauf” zu setzen:

Gestern erhielten einige Mandanten von uns folgende Mail:

“Guten Tag,

um den Käufern ein einheitliches Einkaufserlebnis zu bieten, sind Verkäufer
bei Amazon verpflichtet, Rückgabebedingungen anzubieten, die mindestens so
vorteilhaft sind wie die Rückgabebedingungen von Amazon. Um dies für die
Käufer transparent zu machen, werden wir die Informationen im Abschnitt
“Rückgabe und Erstattungen” Ihrer Verkäufer-Seiten am 6. August 2012 ändern
und einen Hinweis anzeigen, dass Käufer gemäß der Amazon-Rückgabebedingungen
Artikel an Sie zurücksenden können.

Der neue Hinweis wird die Käufer auf die Rückgabebedingungen von Amazon
verweisen. Es ist Käufern weiterhin möglich, sich an Sie zu wenden, um sich
über eventuelle günstigere Regelungen zu informieren. Wenn Sie Versand durch
Amazon verwenden, wird wie bisher auf die Rückgabebedingungen von Amazon
verwiesen.

Auf der folgenden Hilfeseite finden Sie weitere Informationen zu den
Rückgabebedingungen von Amazon.de:
http://www.amazon.de/gp/help/customer/display.html?nodeId=13413131

Sollten Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an den Verkäuferservice. Sie
erreichen dieses Team über den Link “Verkäuferservice” unten auf den
Verkäuferkonto-Seiten.

Freundliche Grüße
Amazon Services Europe”

So weit, so harmlos. Doch der “Teufel” steckt hier im Detail:

Denn wenn, was anzunehmen ist, Amazon nicht zugleich seine AGB ändert, hat Amazon mit diesem Verweis zugleich die “40-Euro-Klausel” (= Rücksendekosten trägt bei einem Warenwert bis 40 EUR der Kunde) für alle Amazon Händler – mit Ausnahme natürlich von Amazon selbst – abgeschafft.

Und das kommt so:

Amazon verweist auf der in der Mail genannten Seite, auf welcher es seine Rückgabebedingungen erläutert, auf die eigenen AGB:

Bitte beachten Sie: Die Hinweise auf unseren Hilfeseiten zu Rückgabe und Erstattung gelten in erster Linie für die Inanspruchnahme unserer freiwilligen Rücknahmegarantie. Das Ihnen gesetzlich zustehende Widerrufsrecht wird hierdurch in keiner Weise eingeschränkt. Die Einzelheiten zum gesetzlichen Widerrufsrecht finden Sie in Ziffer 3 unserer AGBs.”

Da es auf dieser Seite aber auch die Rücknahme im Falle des Widerrufs erläutert wird (s. unter “Wann ist eine Rücksendung für mich kostenfrei?”) muss der Kunde, der auf die Geltung der Amazon-Rückgabebedingungen hingewiesen wurde, auch von deren Geltung ausgehen.

Dort steht aber in § 1:

“Hinweis: Für Amazon.de Marketplace gelten nicht die unten aufgeführten Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Amazon EU S.à.r.l., sondern die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Amazon Services Europe S.à.r.l.”

Folgt der Kunde wiederum diesem Link, findet er die “Teilnahmebedingungen Amazon Services Europe S.à r.l.”, also weitere AGB, die für Marketplace-Geschäfte gelten sollen.

Hier findet er unter “B. Besondere Bedingungen für Verkäufer” unter 5. eine Widerrufsbelehrung, wonach dem Käufer das dort folgende Widerrufsrecht zustehen soll, “sofern nicht Käufer und Verkäufer eine andere Vereinbarung hierüber treffen.”

Hier “beißt sich die Katze” aber “in den Schwanz”. Denn wenn Amazon bei den Händler-Angeboten zwangsweise auf seine Rücknahmebedingungen verweist und deren Geltung mithin für den Händler “vereinbart”, muss der Kunde davon ausgehen, dass diese und damit auch die o.g. “Teilnahmebedingungen” gelten.

In der Widerrufsbelehrung der “Teilnahmebedingungen” von Amazon für seine Händler steht unmissverständlich:

Paketversandfähige Sachen sind auf Kosten und Gefahr des Verkäufers zurückzusenden.”

Wenn mithin der Händler unter seinen Hinweisen zu “Rückgabe und Erstattungen” regeln möchte, dass der Kunde bei einem Warenwert bis 40 EUR die Rücksendekosten trägt, ist er durch die Vereinbarung der Rückgabebedingungen von Amazon daran gehindert.

Denn er kann nicht beides zugleich vereinbaren.

Wenn mithin ein Händler weiterhin die sog. “40-Euro-Klausel” in seiner Widerrufsbelehrung verwendet (wie derzeit ca. 90% aller Amazon-Händler), so ist er ab dem 06.08.2012 nach unserer Einschätzung stark abmahngefährdet.

Übrigens: Diese unschöne Konsequenz trifft Amazon selbst nicht, wie ein Blick auf Ziffer 3. deren AGB zeigt.

Zugegeben: Wir wissen nicht, ob Amazon diese rechtliche Konsequenz bedacht hat, zuzutrauen wäre es ihnen nach den bisherigen Erfahrungen im Umgang mit den eigenen Händlern freilich schon.

Wir sind gespannt, ob die Amazon Händler auch das klaglos “schlucken” werden.

Zuzutrauen wäre es ihnen nach den bisherigen Erfahrungen im Umgang mit Amazon freilich schon.

 

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