Eintrittskarte zum Fussballspiel verkauft = Post vom Anwalt?!

Ärger bei Verkauf von Eintrittskarten zu Fußballspielen

Spätestens seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 kommt es immer wieder zu rechtlichen Problemen bei dem Versuch des Weiterverkaufs von Eintrittskarten zu Fußballspielen oder nachdem Karten – insbesondere über Internetauktionen – tatsächlich veräußert worden sind.

Wird eine Veräußerung der Tickets beabsichtigt oder wurde bereits durchgeführt und stellt ein Fußballverein dies im Internet fest, werden die Betroffenen zunächst angeschrieben und darauf hingewiesen, dass sie sich unrechtmäßig verhalten haben. Unter Hinweis auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) verweist etwa der HSV (ähnlich der BVB) auf Klauseln, die eine Weiterveräußerung ohne Zustimmung der Vereins ausschließen, es ferner untersagen, zuzüglich einer Pauschale von zwei Euro einen Gewinn von mehr als 10% über dem ursprünglichen Kartenpreis zu erzielen und für den Fall der Zuwiderhandlung eine Vertragsstrafe vorsehen.

Des Weiteren erfolgt eine Stornierung der Tickets und eventuell auch ein zeitlich befristetes Verbot weitere Karten zu erwerben. Diese Thematik hat auch schon mehrfach die deutschen Gerichte bis zum Bundesgerichtshof (BGH, Urteil vom  11.09.2008, Az. I ZR 74/06) beschäftigt, wobei sich herausgestellt hat, dass ein Weiterveräußerungsverbot gewerblichen Anbietern untersagt werden kann, aber dies gegenüber Privatpersonen, die z.B. kurzfristig den Termin nicht wahrnehmen können, nicht in jedem Fall wirksam vereinbart werden könnte.

Diese rechtliche Wertung hat aber nicht unbedingt Bestand, wobei jeweils individuell geprüft werden muss, wie der Vertragsschluss mit den jeweiligen Verein zustande gekommen ist, ob die AGB wirksam in den Vertrag einbezogen worden sind und welche Regelungen somit Vertragsbestandteil geworden sind.

VORSICHT: GEÄNDERTE KARTEN UND GESCHÄFTSBEDINGUNGEN FÜHREN u.U ZU NEUER RECHTSLAGE!

Verschiedene Bundesliga-Fußballvereine legen großen Wert darauf, bekannte gewaltbereite Fans von den Spielen fern zu halten, rivalisierende Fanblocks nicht zu vermischen und eine soziale Preisstruktur der Eintrittskarten aufrechtzuerhalten. Diese verständlichen und nachvollziehbaren Anliegen haben dazu geführt, dass diverse Vereine ihre Eintrittskarten und AGB überarbeitet haben, um rechtlich auch gegenüber Privatpersonen eine Weiterveräußerung der Karten ohne ihre Zustimmung auszuschließen.

Nach der Abänderung der Rahmenbedingungen hat das Landgericht Hamburg (Urteil vom 05.03.2010, Az. 406 O 159/09) wiederum bestätigt, dass ein gewerblicher Weiterverkauf nicht gestattet ist und insbesondere zu wettbewerbsrechtlichen Verstößen führen kann. Nach der von den Vereinen neu geschaffenen Rechtslage ist davon auszugehen, dass grundsätzlich auch gegenüber Privaten ein Weiterverkauf  der Karten wirksam ausgeschlossen werden kann.

Dies führt dann bei den „Ertappten“ dazu, dass diese angeschrieben werden (im Falle des HSV durch die Lehmann Rechtsanwälte aus Hamburg) und die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung gefordert wird, nebst Zahlung einer Vertragsstrafe und Anwaltsgebühren.

FORDERUNGEN VON VERTRAGSSTRAFEN BIS ZU 2.500 Euro + ANWALTSGEBÜHREN

Vor der Abgabe einer entsprechenden Unterlassungserklärung muss geprüft werden, ob diese überhaupt abgegeben werden muss bzw. ob Änderungen vorzunehmen sind, damit die Abgemahnten nicht über Gebühr Zugeständnisse machen. Häufig sind die übersendeten Erklärungen der abmahnenden Kanzleien zu weit gefasst, so dass eine sog. modifizierte Unterlassungserklärung erstellt werden sollte.

Sofern wenigstens ein  nachweisbarer Veräußerungsversuch unternommen worden ist, haben die Empfänger der Anwaltsschreiben meist auch eine Zahlung zu leisten, wobei stets im Einzelfall zu prüfen ist, ob die Höhe der geforderten Vertragsstrafe und die Höhe der geltend gemachten Anwaltsgebühren gerechtfertigt ist. Eine derartige Prüfung sollte durch einen Rechtsanwalt vorgenommen werden, um richtig einschätzen zu können, ob sich ein Vorgehen gegen die Ansprüche der Fußballvereine lohnt und ob sinnvoll wenigstens eine Absenkung des Gesamtbetrages erreicht werden kann.

Sofern Sie bereits ein derartiges Schreiben erhalten haben und Sie sich über die Erfolgsaussichten eines Vorgehens gegen die Inanspruchnahme durch einen Fußballverein informieren möchten, stehen wir Ihnen gerne für ein unverbindliches und kostenfreies Erstgespräch* zur Verfügung.

[* Mit Ausnahme der ggfs. anfallenden Telefongebühren Ihres Anbieters. Eine individuelle Rechtsberatung findet im Rahmen des Erstgesprächs nicht statt.]