Abmahnungen von Vereinen aus der ersten Fußball Bundesliga / Ticket-Verkauf

In der letzten Zeit häufen sich die Fälle, in denen Mandanten von uns Abmahnungen oder zumindest die Aufforderung von Vereinen aus der ersten Fußball Bundesliga erhalten, eine Unterlassungserklärung abzugeben, da den Adressaten vorgeworfen wird, gegen die AGB bzw. ATGB (Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen verstoßen zu haben.

Die Vereine stützen deren Vorgehen auf deren Geschäftsbedingungen, mit denen es den Käufern unter Androhung einer Vertragsstrafe bis zu 2.500,00 Euro untersagt wird, die Karten ohne Genehmigung der Vereine über Online-Marktplätze (wie etwa eBay) weiter zu verkaufen und/oder die Karten zu höheren Preisen zu verkaufen, als man sie selbst erworben hat, und/oder die Karten an gewerbliche Händler zu verkaufen.

Begründet wird dieses Vorgehen damit, dass man erstens eine soziale Preisstruktur wahren möchte, dass man zweitens rivalisierende Fangruppen in dem jeweiligen Stadion trennen will und schließlich bereits auffällig gewordenen Personen den Zugang verweigern will.

Wenigstens zwei Vereine, nämlich der FC Schalke 04 und der Hamburger Sport-Verein (HSV) beauftragen Anwaltskanzleien kostenpflichtige Abmahnungen auszusprechen, eine Unterlassungserklärung zu fordern, einer Vertragsstrafe einzufordern und Abmahnkosten geltend zu machen. So wurde vom HSV von einem privaten Weiterverkäufer für den Versuch, drei Karten zu verkaufen gleich die volle Vertragsstrafe in Höhe von 2.500,00 Euro gefordert, sowie Anwaltsgebühren in Höhe von 807,80 Euro. Dies halten wir trotz der eigentlich anerkennenswerten Ziele der Fußball Vereine und ihrer grundsätzlichen Bestätigung derartiger Klauseln in AGB für reichlich überzogen. Fraglich ist hierbei auch, ob derartig Hohe Forderungen vor den Gerichten Bestand haben würden.

Umso erfreulicher ist es, dass der 1. FC Kaiserslautern (FCK) derartige Fälle nicht sofort an Anwaltskanzleien abgibt, sondern die entsprechenden Schreiben selbst aufsetzt und versendet. Hierbei wird zwar auch die Abgabe einer Unterlassungserklärung gefordert, die generell nicht ohne eine Überprüfung der Sach- und Rechtslage unterzeichnet werden sollte, und es wird eine Bearbeitungsgebühr von 50,00 Euro geltend gemacht.

Man sollte also auch hier aufpassen, was man unterschreibt, da die Unterlassungserklärungen fast immer zu weit gefasst sind. Grundsätzlich ist anzuraten nur eine sog. modifizierte Unterlassungserklärung abzugeben und sich nicht ungeprüft zu dem Risiko auszusetzen hohe Vertragsstrafen zu verwirken.

Dies leitet zugleich über zu einem weiteren erstaunlichen und aus rechtlich nicht nachvollziehbaren Verhalten eines Vereins aus der ersten Bundesliga über, nämlich jenem des FC Schalke 04. Einer unserer Mandanten hat eine modifizierte Unterlassungserklärung abgegeben, die die Wiederholungsgefahr eindeutig ausgeräumt hat. Zwar wurde die Erklärung angenommen, jedoch als weitere Strafe – nur weil sich der Abgemahnte nicht in dem geforderten (und ungerechtfertigten) Umfang unterworfen hat – gleich ein Hausverbot verhängt.

Wir sind der Auffassung, dass es zwar nachvollziehbar ist, dass die Vereine die Preise und die das Stadion besuchenden Personen kontrollieren möchten, dass jedoch bei den teilweise immens hohen Forderungen und diesem rigorosen Vorgehen mittel- und langfristig auch treue Fans und somit zahlende Kunden verprellt werden.

Zumal es für einen rechtlichen Laien nicht leicht erkennbar ist, dass der private Weiterverkauf von Eintrittskarten zu Fußballspielen – auch über Internetplattformen wie eBay – untersagt ist.

So liegt etwa eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs (Urteil vom 11.09.2008, Az. I ZR74/06) vor, nach der nur gewerblichen Verkäufern die Weiterveräußerung von Eintrittskarten untersagt werden kann und – z.B. im Falle einer plötzlichen Verhinderung des Kartenbestellers – auch ein privater Wiederverkauf gestattet ist.

Nicht zuletzt hat der BGH auch ausgeführt, dass Eintrittskarten zu Fußballspielen grundsätzlich ein verkehrsfähiges Wirtschaftsgut seien, deren Weiterveräußerung nur in bestimmten (sehr engen) Grenzen untersagt werden könne.

Auch nach dem „Wirbel“ um die Weiterveräußerungsverbote von Eintrittskarten im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland im Jahre 2006 hat das Thema eine breitere Öffentlichkeit gefunden und nicht nur im Internet ist dieses Thema an zahlreichen Stellen aufgegriffen worden.

Hierbei hatte sich ebenfalls herauskristallisiert, dass nur der gewerbliche Weiterverkauf von Eintrittskarten zu Fußballspielen in Deutschland vertraglich ausgeschlossen werden kann.

Insbesondere vor diesem Hintergrund halten wir es für ungerechtfertigt, von Ticket-Käufern, die nichts ahnend Karten verkaufen wollen, weil Sie oder einzelne Personen daran gehindert sind, sich die Spiele anzusehen, gleich fünfstellige Beträge zu fordern und oder mit einem Hausverbot zu belegen, sofern man nicht alle (teilweise nicht haltbaren Forderungen) erfüllt.

Sollten Sie Fragen zu diesem Thema haben und/oder selbst betroffen sein, können Sie sich gerne mit Rechtsanwalt J. Bräumer in Verbindung setzen, der Ihnen für ein unverbindliches Erstgespräch* gerne zur Verfügung steht.

* Mit Ausnahme der ggfs. anfallenden Telefongebühren Ihres Anbieters. Eine individuelle Rechtsberatung findet im Rahmen des Erstgesprächs nicht statt.